Solarbetriebene Kläranlage für den Katastrophenfall

Die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) hat im Rahmen eines Forschungsprojekts eine solarbetriebene Versuchskläranlage für den Einsatz in Katastrophenfällen aufgebaut. Das Projekt EnsAK („Entwicklung einer neuartigen, solarbetriebenen Abwasserbehandlung für den Katastrophenfall“) läuft über zwei Jahre und wird mit 242.500 Euro vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Beteiligt sind neben der THM auch die Firma Saygin & Stein, die EMW Filtertechnik GmbH sowie der Zweckverband Lollar-Staufenberg als ideeller Partner. Ziel der Anlage ist es, tagsüber mit Photovoltaikstrom betrieben zu werden, während sie nachts ruht. Die Praxisphase begann im September 2025 in der Kläranlage Lollar. Die Anlage wurde dort innerhalb weniger Tage aufgebaut, um auch im Ernstfall einen schnellen Einsatz zu ermöglichen. Die Betreuung erfolgt durch THM-Student Louis Müller, der die Anlage regelmäßig kontrolliert. Bislang ist die Versuchsanlage noch nicht vollständig eigenständig im Einsatz: Das gereinigte Abwasser durchläuft zusätzlich noch die Hauptkläranlage. Dennoch kann die Anlage bereits die in Deutschland für große Kläranlagen geltenden Grenzwerte für organische Schmutzfracht einhalten, wie Professor Markus Röhricht bestätigt. Proben werden dreimal wöchentlich entnommen und im Hochschullabor untersucht. Die Versuchsanlage soll einen kompletten Jahreszyklus durchlaufen, um die Reinigungsleistung unter unterschiedlichen Temperaturen zu testen. Langfristig soll die optimierte solarbetriebene Klärtechnik überall dort eingesetzt werden können, wo Menschen durch Krisen oder Kriege in Not geraten, und somit eine flexible, autarke Lösung für die Abwasserbehandlung in Notsituationen bieten.
